Religions Informationen
Betende Hände braucht unsere Zeit.
Carl Ischer
© Evangelische Brüder-Unität
Herrnhuter Brüdergemeine

Weitere Informationen finden sie hier.
  christliche Themen
   Geschichte der Kirche im Abendland

zurück

Geschichte der Kirche im Abendland

Leo I. (440 - 461) erreichte bei Kaiser Valentinian III. die Annerkennung des römischen Primats (=Vorrangstellung). Er war somit der erste Papst und sah sich als Inhaber der Vollmachten des Apostel Petrus. Bei der großen Völkerwanderung ging das Weströmische Reich unter. Das byzantinische Reich bestand bis 1453.

Die Völkerwanderung brachte die Germanen mit den Christentum in Berührung und sie nahmen das Evangelium an. Papst Gregor I. (560 - 604) war ein bedeutender Kirchenlehrer und erhielt den Beinahmen "der Große". Er änderte die katholische Gottesdienstordnung und bewirkte die Ausbreitung des Evangeliums in England. Auch er musste noch um die Vorrangstellung Roms kämpfen. Manche katholischen Lehrbegriffe sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden.

Das Klosterwesen brachte es zu beachtlicher Größe. Im frühen Mittelalter waren die Klöster die wichtigsten Bildungsstätten. Im späteren Mittelalter trat ein innerer Verfall des Klosterwesens ein. In den sehr reichen Klöstern führten Wohlleben und Genussucht zur Verweltlichung. Während des Kölner Reichstages 1505 eröffnete z.B. der Erzbischof mit einer Äbtissin den Tanz. Etwas Undenkbares im frühen Klosterwesen. Die Päpste strebten auch immer mehr nach weltlicher Macht. Im 8. Jahrhundert schufen die Päpste in Mittelitalien mit dem Kirchenstaat ein Weltliches Hoheitsgebiet, in dem sie uneingeschränkter Herrscher waren.

Der offizielle Titel des Papstes lautete jetzt:

    "Bischof von Rom, Statthalter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Pontifex Maximus der Weltkirche, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Provinz Rom, Herrscher des Kirchenstaates".

Am Weihnachtstag des Jahres 800 setzte Papst Leo III. (795 - 816) dem Frankenkönig Karl I. (747 - 814), ohne ihn vorher davon in Kenntnis zu setzen, die Kaiserkrone auf. Damit wurde das abendländische Kaisertum aufgerichtet. 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. (1012 - 1024), bei der Synode in Pavia, die Ehelosigkeit der Priester unter Androhung der Absetzung an. Gregor VII. (1073 - 1085) lehrte, dass über alle weltliche Macht der Papst stehe. Nicht nur der Stuhl Petri, sondern auch die weltliche Herrschaft sei ihm anvertraut. Denn Christus hat ihm Gewalt und Vollmacht gegeben, Herr der Kirche und zugleich König aller Könige zu sein. Ein wechselvoller Machtkampf gegen König Heinrich IV (1050 - 1106) war die Folge. Auf der Synode von Worms (1076) ließ Heinrich IV. den Papst absetzen. Der Papst erwiderte mit dem Kirchenbann. Die Bußfahrt des Königs nach Canossa in Oberitalien (1076) brachte die Lösung des Banns. Drei Jahre später sprach der Papst wieder den Bann aus. Heinrich stellte nun einen Gegenpapst auf, eroberte mit ihm Rom und ließ sich, 1084 zum Kaiser krönen. Ein Jahr später starb einsam und verlassen, Papst Gregor VII in Salerno. In der Amtszeit von Alexander III. (1159 - 1181) gab es gar vier Gegenpäpste. Drei ernannte Kaiser Friedrich (Babarossa). In der Schlacht von Legnano (1176) besiegte das päpstliche Heer den Kaiser. Der so gedemütigte Kaiser musste beim Friedensschluss dem Papst die Steigbügel des Pferdes halten. Den Höhepunkt weltlicher Macht erlangte das Papsttum unter Innozens III. (1198 - 1216). Kaiser und Könige empfingen vom Papst Land und Krone. Er konnte sie absetzen und ihre Untertanen vom Treueid entbinden. Er war somit oberster Herrscher und Schiedsrichter des Abendlandes.

Durch ihn wurde die Gründung des Franziskanerordens gefördert und er beauftragte die Dominikaner mit der Verfolgung der Ketzer (Inquisition). Somit begann auch die finsterste Geschichte der Kirche. Waren die ersten Christen und ihre Kirche die Verfolgten so verfolgte jetzt die Kirche Menschen.

Das 12 Allgemeine Konzil (1215) beschloss unter anderem, dass

    jeder Katholik mit der Exkommunikation zu bestrafen sei, der nicht mindestens einmal im Jahr zur Beichte und Kommunion geht.

    die Ketzer zu bekämpfen sind.

    Fürsten, die nicht gegen Ketzer vorgingen, mit Exkommunikation und Landentzug bestraft werden.

Durch die Päpste wurde zu Kreuzzügen aufgerufen. Sie selber nahmen nicht daran teil. Von 1095 bis 1291 zogen immer wieder Heere nach Kleinasien und Nordafrika um den Moslems die heiligen Stätten zu entreißen. Papst Urban II. (1088-1099) verkündigte den Kreuzfahrern einen vollständigen Ablass der Sünden und denen, die im Kampf fielen ewiges Leben.

Es gab sieben Kreuzzüge nach Kleinasien.

    1. Kreuzzug (1096 - 1099): Am 15. Juli 1099 eroberten die Kreuzritter Jerusalem.

    2. Kreuzzug (1147 - 1149): Auf dem Marsch nach Kleinasien werden die Ritterheere zum größten Teil aufgerieben.

    3. Kreuzzug (1189 - 1192): Auch dieser Kreuzzug endete unglücklich. Es konnte nur der freie Zutritt zu den heiligen Stätten vereinbart werden.

    4. Kreuzzug (1201 - 1204)Diesen Kreuzzug führte man gegen das christliche Konstantinopel

    Auch ein Kinderkreuzzug wurde durchgeführt (1212). Dabei kamen tausende Kinder um und viele wurden als Sklaven verkauft.

    5. Kreuzzug (1228 - 1229)Durch Verhandlungen konnte nochmals Jerusalem gewonnen werden. 1244 ging Jerusalem endgültig verloren.

    6. Kreuzzug (1248 - 1254) Ludwig IX von Frankreich kam mit seinem Heer in Gefangenschaft. Nur der Stützpunkt Akkon blieb christlich.

    7. Kreuzzug (1270) war ein totales Debakel auch die letzten noch verbliebenen Stützpunkte gingen für die Christen verloren. König und Heer wurden von einer Seuche hinweggerafft, und Pest und Lepra ins Abendland gebracht

Die Missstände in der Katholischen Kirche nahmen immer schlimmerer Formen an. Das Lesen in der Bibel wurde verboten, um Abweichungen von der Lehre Jesu zu verbergen. Um Erlösung von Sündenstrafen zu erlangen und somit dem Fegefeuer zu entkommen, wurde der Ablasshandel eingeführt. In derber Weise konnte man sagen: "Sobald das Geld im Kasten klingt die Seele in den Himmel springt". Diese Zustände erregten den Unwillen von tiefgläubigen Menschen und gaben den Anstoß zur Reformation. Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg an. Auslöser war der Ablasshandel des Dominikanermönch Johann Tetzel. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich diese Thesen in der christlichen Welt. Nach vielen Kämpfen breitete sich die Reformation in Europa aus. Ziel war es ein biblisches Christentum wiederherzustellen. Auch die Mennoniten haben Ihren Ursprung in der Reformationszeit. Sie unterschieden sich in der Taufe von den übrigen reformierten Kirchen. Die Begeisterung für die Reformation wurde durch die Bauernkriege jäh unterbrochen.

Die Aufständischen forderten in 12 Artikeln u. a.

    freie Wahl der Pfarrer

    Befreiung vom kleinen Zehnten (Baumfrüchte, Rüben, Gemüse)

    Aufhebung der Leibeigenschaft

Ein großes Verdienst der Reformation ist die Einrichtung von Laienschulen. Ein Vorläufer unseres heutigen Bildungssystems. Luther schrieb einen kleinen und einen großen Katechismus (Lehrbuch). In Deutschland waren Luther (1483 - 1546) und Melanchthon (1497 - 1560) die führenden Köpfe der Reformation. Durch das Wormser Edikt kommt es zum bewaffneten Widerstand der reformierten Fürsten. Nur weil die Türken Österreich bedrohten gab der Kaiser nach. Über zwei drittel der Deutschen Länder wurde evangelisch. Am 25. September 1555 wurde nach siebenmonatiger Verhandlung der Augsburger Religionsfrieden geschlossen. In der Schweiz war Ulrich Zwingli (1484 - 1531) und Johannes Calvin (1509 - 1564) die Verfechter der Reformation. Zwingli stellte seine 67 Thesen zur öffentlichen Disputation. Über das Abendmahl konnten Luther und Zwingli keine Einigung erzielen. Von Genf aus verbreitete sich die Lehrer Calvins über ganz Frankreich. Von 1562 - 1598 kam es neunmal zu blutigen Bürgerkriegen zwischen Hugenotten (evangelisch) und Katholiken. In der Bartholomäusnacht (24. August 1572) wurden ca. 20 000 Hugenotten, davon 3000 in Paris, ermordet. Im Jahr 1998 erlangten die Hugenotten im Edikt von Nantes freie Religionsausübung. König Ludwig XIV. hob dieses Edikt 1685 wieder auf. Eine halbe Million Hugenotten flohen ins Evangelische Ausland. Dadurch blieb Frankreich katholisch. In den Niederlanden herrschte der spanische König. Sein Ziel war es, Spanien zur ersten Macht Europas zu machen und die katholische Kirche zu schützen. Die sieben nördlichen Provinzen erkämpften sich ihre Unabhängigkeit und wurden evangelisch. Die südlichen Provinzen, das heutige Belgien blieb katholisch. Im England bekämpfte zunächst der König die Reformation. Durch einen persönlichen Streit mit dem Papst löste er die englische Kirche von Rom und wurde selbst Oberhaupt der Kirche.

Erst seine Tochter Elisabeth I. führte die Reformation endgültig ein und schuf die englische Staatskirche (Anglikanische Hochkirche). England wurde nun zur stärksten protestantischen Macht. John Knox (1505 - 1572) war der Reformator Schottlands. Es entstand die Presbyterianische Kirche. Dänemark, Norwegen, Island, Schweden und Finnland wurde 1527 evangelisch. Während sich in diesen Ländern der evangelische Glaube durchsetzte, blieben Polen, Ungarn und Österreich teils durch die Gegenreformation katholisch. Die Gegenreformation war der letzte große und grausame Kampf zwischen den Kirchen in Europa.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg,(1618 - 1648) (Anfangs ein Religionskrieg), mit dem Westfälischen Frieden (1648) begann das Zeitalter der Vernunft. Große Dichter und Denker waren am traten auf. Die Aufklärung erfasste ganz Europa. Amerika wurde als Staat unabhängig von England. Und die Französische Revolution erklärte: "Liberté, égalité, fraternité" (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit).

Im Neunzehnten Jahrhundert erlebte die Welt, bedingt durch die neue Freiheit der Bürger, eine Erweckungsbewegung. Viele neue Kirchen und Glaubensgemeinschaften entstanden. Grund war wieder einmal, dass sich die Kirchen von dem Evangelium immer mehr entfernten. Politik war vielfach wichtiger als eine reine christlichen Lehre.

zurück

Copyright © 2009 by Falke 1830